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Glockenweg

hiking Wanderrunde mit ein wenig Schnee und mit Glühwein zum Abschluss (© ga&ul 2018-12)

Klein Bramstedt

Grenzerfahrungen
Leichter Schneefall verwandelt die Landschaft, als wir zu unserer kleinen Wanderung auf dem Glockenweg aufbrechen. Offiziell beginnt dieser Wanderweg, einer von mehreren schönen Runden auf dem Gebiet der Gemeinde Bassum, am Glockenturm mitten in Klein Bramstedt. Wir wollten unsere Wanderung aber gern mit Glühwein und Bratwurst abschließen. Schließlich findet man auf dieser Runde sonst nichts zum Einkehren. Also starten wir am Kreuzungspunkt des Glockenweges mit der Bassumer Straße in nördlicher Richtung. Sofort verwandeln wir uns in Grenzgänger, denn hier am Waldrand verläuft Bassums Grenze zur Stadt Syke. Der Weg führt hier außerdem an einem schönen, alten Buchenbestand entlang, bis er nach links Richtung Westen abbiegt und kurz darauf wieder links nach Süden.

    Hier kommen wir an einem merkwürdigen Wegweiser vorbei.
    La Hague (war das nicht diese Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll in Frankreich?), Brokdorf ... Oh, es dämmert uns, klar, es geht um Atomkraftwerke. Der Wegweiser erinnert uns daran, dass immer noch gefährlicher Atommüll produziert wird, dass immer noch die Strahlenkatastrophe hinter brüchigen Betonmauern lauert.
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Bramstedter Beeke
Am Ende dieses Weges kann man sich entscheiden: Abkürzen: Dann links abbiegen. Oder volle Runde: Dann rechts. Wir gehen natürlich rechts und treffen bald darauf auf die Högenhauser Straße. Hier muss man ein wenig Acht geben, kommen doch häufiger mal Autos von vorn oder hinten angebraust. Dafür schlängelt sich die Straße idyllisch durch die Senke der Bramstedter Beeke, die wir - auf höherem Niveau - noch einmal im Ort queren.

Schlafen ja, Einkaufen eher weniger
Schnell verlassen wir die Straße wieder, laufen weiter, westlich bis zum parallel verlaufenden Weg 'Am Sportplatz'. Er bringt uns am Sport, Feuerwehr-, Schulzentrum vorbei zur Landesstraße. Gegenüber geht es weiter. Hier wird gerade ein neues Baugebiet erschlossen, Bramstedt wächst, während die Infrastruktur schrumpft. Die meisten neuen Bewohner wollen hier nur wohnen. Einkehren und Einkaufen - dafür werden die Einkaufszentren und Restaurants der Städte bevorzugt. Allerdings hält sich noch wacker das kleine Kaufhaus Grafe, und zeitweise hat auch die Bramstedter Bäckerei geöffnet.

Glockenturm
Wir nähern uns nun dem Zentrum des Ortes und dem für den Weg namensgebenden Glockenturm. Er hat so seine eigene Geschichte:

    "Da es trotz Genehmigung nie zum Bau einer Kirche gekommen ist, gaben die Bramstedter im Jahre 1450 eine Glocke in Auftrag, Der Bremer Glockengießer Ghert Klinghe fertigte die Glocke vor Ort an. Im Jahre 1871 wurden durch einen Großbrand der gesamte Ortskern von Bramstedt und mit ihm der Glockenstuhl zerstört. Mitte der 80er Jahre wurde der Turm nach historischen Vorlagen (...) wieder aufgebaut. Eine Besonderheit ist der Bramstedter Glöckner, der die Glocke , einem alten Brauch zu Folge, bei besonderen Anlässen läutet. So wird den Bürgern der Tod eines Bramstedter Einwohners morgens um 8 Uhr, die Geburt eines Kindes mittags um 12 Uhr und eine Hochzeit um 16 Uhr durch den Klang der Glocke verkündet." (aus der Infotafel am Glockenturm)
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Vom Tal zur Wilhelmslust
Nach dieser informativen Rast geht es weiter, scharf links in die Käsestraße (woher mag sich dieser Name ableiten?). Ihr folgen wir aber nur bis zur Talstraße. Nachdem die letzten Häuser dieser Straße hinter uns liegen, beginnt der ein wenig öde Rückweg zum Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung. Auch wenn sich die Straße nachher Wilhelmslust nennt, lustvoll ist der Weg nicht. Immerhin, die Rinder, die hier sommers wie winters draußen weiden, bieten dem Auge Abwechslung. Mit ihrem wuscheligen Winterfell erscheinen sie sehr urwüchsig. Die Wilhelmslust führt schnurgerade nordwärts. In der Ferne kommt allmählich die Attraktion der Wanderung in Sicht: Hansi's Weinachtsbaumverkauf. Dort warten schon Glühwein und Bratwurst - auch auf müde Wanderer! Natürlich gibt's hier auch reichlich Weihnachtsbäume und nebenbei schöne, handgefertigte Holzarbeiten und Textilien und Stockbrot für die Kinder, geröstet am offenen Feuer. An dem wärmt sich aber auch mancher Erwachsene ganz gern. Nach diesem schönen Abschluss unserer kleinen Wanderung auf dem Glockenweg brauchen wir nur noch die Landesstraße zu überqueren. Dort wartet nämlich ein fahrbarer Untersatz auf uns.

Fazit
Bei passender Witterung - bei Schnee im Winter, in herbstlicher Sonne oder im Frühjahr zum Beispiel - eine schöne Wanderrunde. Man sollte sich aber etwas Wegzehrung und zu Trinken mitnehmen. Einkehren ist nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn man sich auf solche Termine einplant: Weihnachtsbaumverkauf, Sportveranstaltungen oder andere örtliche Feste.
Die Route ist vor allem nördlich der Bassumer Straße landschaftlich abwechslungsreich geführt auf angenehm zu begehenden unbefestigten Wegen. Langweilig dagegen der Abschnitt vom Zentrum Klein Bramstedts bis zur Bassumer Straße (Wilhelmslust). Hier könnte man zum Beispiel durch Anpflanzungen oder einen kleinen Rastplatz zusätzlich für Abwechslung sorgen.

ug 2018/12/16

 

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